Ein Volksfeind

Schauspiel von Henrik Ibsen

Das neue Kurbad ist die Quelle des Wohlstands in der Stadt. Zahlreiche Gäste kommen, um das Heilwasser zu trinken, darin zu baden und ihre Leiden zu kurieren. Handel und Gastronomie blühen, die Grundstückspreise steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt – das stärkt zudem den Bürger- und Gemeinschaftssinn.
Doch Kurarzt Dr. Stockmann hat in jüngster Zeit gehäuft Fälle von Typhus und Magenbeschwerden zu behandeln. Heimlich lässt er das Heilwasser untersuchen und erhält durch das Gutachten schreckliche Gewissheit: Das Wasser ist vergiftet, gesundheitsgefährdend im höchsten Maße. Verursacht durch Zuleitungen, die durch ein von Industrieabwässern verseuchtes Sumpfgebiet führen. Als Arzt muss Thomas Stockmann die Bürger über die Gesundheitsgefahr informieren. Durch Verlegung der Wasserleitungen ließe sich das Problem beheben. Die örtliche Presse will ihn unterstützen und die Bevölkerung auf die Gefahren hinweisen. Und er informiert seinen Bruder, den Bürgermeister. Stockmann ist froh, der Stadt mit Veröffentlichung dieser Gefahren Gutes zu tun, und er glaubt, die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu haben.
Doch schon bald bläst ihm ein eisiger Wind ins Gesicht. Der Bürgermeister will um jeden Preis verhindern, dass jemand vom vergifteten Wasser erfährt. Eine Verlegung der Leitungen wäre sehr teuer, würde zwei Jahre dauern und die Stadt in ihrer Entwicklung zurückwerfen. Der Ruf des Bades wäre ruiniert und würde sich nicht so schnell wieder herstellen lassen. Mit allen Mitteln versucht der Bürgermeister seinen Bruder einzuschüchtern, damit er den Mund hält. Und auch die Medienvertreter haben kein Interesse mehr an der Veröffentlichung der Wahrheit, wenn ihre persönlichen und finanziellen Interessen darunter leiden. Gemeinsam diskreditieren sie den Arzt, um ihn mundtot zu machen. Der ehrenwerte und bis dahin hochgeschätzte Doktor erkennt, dass er nicht nur gegen den stinkenden Sumpf, der das Wasser vergiftet, vorgehen muss, sondern dass es auch gilt, den gesellschaftlichen Sumpf trockenzulegen. Er nimmt die Herausforderung an, allein gegen all jene, die ihn zum Volksfeind erklären …

Henrik Ibsens letztes Gesellschaftsdrama »Ein Volksfeind« aus dem Jahre 1882 wirkt, als wäre es ein Stück aus unseren Tagen. Es ist brillant komponiert und verbindet komplexe Figurenzeichnungen mit einer klugen ökonomischen, politischen und sozialen Analyse. Was zählt die Wahrheit gegen die Macht des Kapitals?


Auch diese Inszenierungen könnten Sie interessieren:

  • 25.10.2017
  • Agnes
  • Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Peter Stamm