Der nackte Wahnsinn

Komödie von Michael Frayn

Es ist Generalprobe für die Komödie »Nackte Tatsachen«, mit der eine kleine englische Theatergruppe in den nächsten vier Monaten durchs Land touren will. Ihr Stück ist mit den bekannten Boulevardzutaten gewürzt: Ehebruch, Steuerflucht, Lügen, Tür auf, Tür zu, Telefonklingeln und einer Unmenge an Requisiten. Jeder Theaterfachmann weiß: Proben für Komödien sind alles andere als spaßig. Da geht es um Disziplin und absolute Präzision, wenn man die Pointen richtig setzen will. Wenige Stunden vor der Premiere sind die Darsteller allerdings weit davon entfernt, den Text oder ihren pünktlichen Auftritt zu beherrschen. Stattdessen diskutieren sie mit dem Regisseur, der nur dank Valium einigermaßen die Ruhe behält, über die Logik des Stückes und kämpfen mit klemmenden Türen, verlorenen Kontaktlinsen und ihrer Schwerhörigkeit. Doch der Vorhang muss hoch, egal wie.
Aber Schauspieler sind auch nur Menschen mit ihren Leidenschaften, Sorgen und Schwächen, die sie als Profis während der Vorstellungen komplett ausblenden müssen. Eigentlich! Nur wenn der Regisseur gleichzeitig ein Verhältnis mit der Regieassistentin und der jungen Darstellerin hat, die Diva des Ensembles sich einen jungen,  äußerst eifersüchtigen Kollegen als Liebhaber gönnt und ein anderer Schauspieler seinen Whiskey mehr als alles andere liebt, dann spielt sich hinter den Kulissen der eigentliche Wahnsinn ab, der mehr und mehr in das Geschehen auf der Bühne eingreift.

Die Idee zu seinem Stück »Der nackte Wahnsinn«, das als die Theaterkomödie schlechthin gilt, hatte Michael Frayn, als er eines seiner Stücke einmal von der Seitenbühne aus sah und dachte: »Von hinten ist es komischer als von vorn«. So schrieb er sein Erfolgsstück über die kleine Theatertruppe und die alltäglichen kleinen und großen »Tragödien« hinter den Kulissen. Der besondere Clou: Im zweiten Akt ist die Bühne um 180° gedreht, und der Zuschauer blickt hinter die Kulissen. Dieser Theaterabend ist nicht nur eine rasante Komödie, sondern vor allem eine großartige Liebeserklärung an das Theater und eine besondere Herausforderung für das Ensemble.


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