Unschuld

von Dea Loher

Eine Stadt irgendwo am Meer. Zwei illegale Immigranten stehen am Strand, blicken in eine unklare Zukunft und vermissen die Wüste. Plötzlich geht eine Frau ins Wasser, immer tiefer, wedelt mit den Armen. Ruft sie um Hilfe? Aber Elisio und Fadoul, die beiden Wüstensöhne, können nicht schwimmen. Und ins Krankenhaus bringen könnten sie die Frau auch nicht, denn man würde die beiden Männer nach ihren Papieren fragen. Und dann ist die Frau im Meer versunken …


An einem anderen Ort in dieser Stadt besucht Frau Habersatt die Eltern eines ermordeten Mädchens und gibt sich als Mutter des Täters aus. Sie wolle um Vergebung bitten. Dass sie aus alten Schuldgefühlen und unendlicher Einsamkeit so eine Last auf sich nimmt, wissen die Eltern des Mädchens nicht …


Ein paar Straßen weiter quartiert Frau Zucker sich in der winzigen Wohnung ihrer Tochter Rosa ein. Deren Mann Franz hat endlich einen Job bei einem Bestatter bekommen. Je mehr Franz in seinem Beruf aufgeht, desto weniger interessiert er sich für Rosa. Frau Zucker indes hat keine Skrupel, sich in das Leben des jungen Paares zu drängen. Sie hat schlimmen Diabetes und Rosa soll sich gefälligst um sie kümmern …


Die Philosophin Ella hat die Bücher, die sie schrieb, ihren Weltveränderungsentwurf, verbrannt. Sie glaubt nicht mehr an die Kraft der Geisteswissenschaften, und ihr Mann, der Goldschmied, ist neben ihr verstummt. Das einzige Buch, das Ella nicht ins Feuer warf, ist das Herzstück ihrer Theorien. Es heißt von »der Unzuverlässigkeit der Welt« und ist ...


... das Lieblingsbuch von Absolut, einem blinden Mädchen, das es aber an der Bushaltestelle verloren hat. Wenn sie nicht ihre Bücher in Braille-Schrift liest, dann tanzt sie vor Männern in einer Bar. Fadoul beobachtet sie beim Suchen und spricht sie an. Er hat so eine schöne Stimme …


In 19 Szenen versammelt Dea Loher eine kleine Gesellschaft von Menschen, deren Lebensläufe sich zunächst nur lose berühren und dann zu einem immer dichteren Netz verwoben werden. Es sind Geschichten von Liebe, Einsamkeit und Schuld und von den großen Menschheitsfragen, die sich in kleinen Alltäglichkeiten spiegeln. »Unschuld« ist ein farbiges Kaleidoskop aus Einzelschicksalen, das eine vielstimmige Sicht auf die Welt bietet – voll großer Traurigkeit und hell aufblitzenden Hoffnungsschimmern und in jedem Fall voll sprachlicher Schönheit und großer Kraft.


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