Tartuffe

Komödie von Molière

Der reiche Orgon hat den bettelarmen Tartuffe in seinem Haus aufgenommen, einen Mann von allerhöchster Moral und Frömmigkeit, so glaubt er. Auch Orgons Mutter, Madame Pernelle, ist Fan von Tartuffe und froh, dass dieser schon allein durch seine Anwesenheit für einen sittlichen Lebenswandel ihrer Familie sorgen wird. Orgons Kinder, seine Frau und sein Schwager indes betrachten diesen merkwürdigen Gast mit großer Skepsis. Frönt er nicht selbst der Völlerei während er anderen Askese predigt? Ist er nicht ein Leisetreter und Schmarotzer und jedes seiner Worte Heuchelei? Mit Sorge müssen sie erleben, wie Orgon dem falschen Heiligen immer mehr verfällt, in allen Dingen Tartuffes Rat befolgt und sich nichts sehnlicher wünscht, als ihn durch Heirat mit seiner Tochter Marianne in die Familie aufzunehmen. Tartuffe willigt in Aussicht auf die fette Mitgift selbstverständlich gern ein, obwohl er heimlich ganz andere Ziele verfolgt: Er hat es auf alles abgesehen, was Orgon lieb und teuer ist – seine Frau Elmire und seinen ganzen Besitz.
Tartuffe ist ein Lügner und Betrüger, daran lässt Molière schon im Untertitel seines Stückes (Der Betrüger) keinen Zweifel. Und trotzdem gelingt es ihm, die gebildetsten Menschen an der Nase herumzuführen und zu manipulieren. Und auch diejenigen, die ihn durchschauen, vermögen es nicht, seinem Treiben Einhalt zu gebieten. Durch geschickte Ränkespiele und das gekonnte Jonglieren mit Lüge und Wahrheit kommt er seinen Zielen Stück für Stück näher.

Molière setzte sich 1664, als er dieses lebenskluge, pralle Stück schrieb, mit der Heuchelei des Klerus auseinander und provozierte damit einen handfesten Theaterskandal. Nach der Uraufführung wurde es verboten, weil es beim Publikum staats- und religionskritische Gedanken provozieren könnte. Auf Betreiben des Pariser Erzbischofs verschwand es für fünf Jahre im Giftschrank und wurde erst 1669 in einer dritten, etwas milderen Variante durch Ludwig XIV. wieder genehmigt.
Verblüffend sind noch heute Klugheit und Humor, mit denen Molière das menschliche Treiben durchschaute. Tartuffe ist im Grunde der Prototyp eines Populisten, der, für viele erkennbar, den Leuten das Blaue vom Himmel verspricht, sie auf durchsichtige Weise manipuliert und trotzdem seine Ziele erreicht. Insofern liest sich das Stück wie eine hochaktuelle politische Parabel in einem äußerst humorvollen Gewand.


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