Wir sind keine Barbaren!

Schauspiel von Philipp Löhle

Barbara und Mario sind ein Vorzeigemittelstandspaar. Sie ist Köchin in einem veganen Restaurant. Er entwickelt den Sound für Motoren von Elektroautos. Es geht ihnen gut. Allerdings lauschen sie ein wenig neidisch dem Liebesspiel in der nachbarlichen Wohnung, wo die neuen Bewohner ausdauernd das soeben aufgebaute Schlafzimmer einweihen. Wenig später lernen sie die beiden kennen. Linda, die Fitnesstrainerin, und Paul, den herzlichen, aber etwas ungehobelten Typen, von dem man nicht wirklich weiß, was er macht. Mit Prosecco, Roséwein und Leitungswasser für Linda wird die Nachbarschaft begossen. Man mag sich nicht wirklich, das ist schnell klar, heuchelt aber gegenseitiges Interesse. Zum Geburtstag schenkt Mario seiner Frau (oder vielmehr sich selbst) einen riesigen Flachbildfernseher, obwohl Barbara kaum fernsieht. Doch bevor es deswegen zu einem Eklat kommt, klopft es an der Tür. Ein dunkelhäutiger Mann, völlig durchnässt, steht davor und begehrt Einlass, nachdem Linda und Paul ihm diesen schon verwehrt haben. Weil Barbara Geburtstag hat, erklärt sie Mario, sie könne einladen, wen sie will, und lässt den Fremden ein.


Wochen später ist er immer noch da. Unfassbar für Linda und Paul, und auch Mario fühlt sich nicht so recht wohl dabei. Barbara richtet dem Fremden ein Zimmer ein, meldet ihn in der Volkshochschule an, gibt ihm zu essen und verteidigt das alles vehement gegenüber Nachbarn und Ehemann, denn der Fremde, dessen Namen sie noch nicht mal weiß, sei ein »Pars pro toto für die Unterdrückten dieser Welt«. »Gutmenschensch…«, echauffiert sich ihre Nachbarin, auch wenn Linda mit der Zeit zugeben muss, dass sie Bobo oder Klint oder wie er auch immer heißen mag, zumindest körperlich ganz anziehend findet. Eines Tages ist Barbara verschwunden …

Philipp Löhle hat mit diesem 2014 in Bern uraufgeführten Stück eine rabenschwarze Gesellschaftssatire geschrieben. Sein Kunstgriff: Den Flüchtling lernen wir während des ganzen Stücks nicht kennen, sondern erfahren von ihm immer nur aus den Gesprächen zwischen den Figuren. Diesen stellt der Autor einen »Heimatchor« zur Seite, eine Gruppe der Wohlanständigen und braven Mülltrenner, die für eine sich regelmäßig zu Wort meldende öffentliche Meinung stehen und das WIR in Großbuchstaben behaupten: »WIR sind viele; Kein Platz mehr sonst … Die Abgründe in unserm Innern sind tief, unheimlich tief, unheimlich konservativ.«

Regie

Ausstattung

Schauspieler

Dramaturgie

Andreas Frane

Video

Kevin Graber

Heimatchor

Stefan Eichberg, Thomas Fritsche, Rolf Rudolf Lütgens, Ingrid Richter-Wendel, Sabine Unger, Ute von Stockert, Katharina Voß

Gertrud Anies, Bianca Büttner, Bianca Deli, Julia Fuchs, Kerstin Haberling, Fabienne-Deniz Hammer, Ursula Hammer, Cem Hamparoglu, Dirk Hofmann, Hardy Jürgens, Karin Petereit, Andreas Pfeiffer, Anna-Luise Preiszler, Gabor Remenyi, Luise Sander, Claudia Tagliatela, Melissa Yilmaz

Dauer

2 1/4 Stunden

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