Don Quijote

Schauspiel von Michail Bulgakow

nach Cervantes

Er ist wohl einer der zauberhaftesten Verrückten der Weltliteratur, dieser Don Quijote, Ritter von der traurigen Gestalt, den der Spanier Cervantes 1605 erfunden hat. Eigentlich heißt er Alonso Quijano und ist ein spanischer Landadliger mit einer großen Vorliebe für Ritterromane. Er hat sie alle gelesen und ist so tief eingetaucht in die Welt der Drachen- und Riesentöter, der bösen Zauberer und schönen Burgfräulein, dass er die Bücher nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden kann. Alonso Quijano will jetzt selbst ein fahrender Ritter werden, um sich todesmutig in Abenteuer zu stürzen und ewigen Ruhm zu erringen. Er gibt sich den Namen Don Quijote von La Mancha, seinen klapprigen Gaul hält er für das feurigste Ross der Welt und nennt es Rosinante. Ein einfaches Bauernmädchen macht er zu seiner Herzensdame Dulcinea von Toboso, für die er alle Abenteuer bestehen muss. Eine alte Rüstung hat er noch aus Urzeiten in seinem Haus, und er findet auch noch einen Waffenknecht in dem dicken Bauern Sancho Pansa. »Durcheilen wir die Welt, um die Kränkungen zu rächen, die Schwache und Hilflose von Starken und Grausamen erfuhren … um der Welt die verlorene Gerechtigkeit zurückzugeben«, ruft Don Quijote. Und schon geht es los mit seinem Kampf gegen das Böse, beflügelt von einer überbordenden Fantasie. Don Quijote kämpft gegen die sprichwörtlich gewordenen Windmühlenflügel, weil er sie für verzauberte Riesen hält und gegen viele weitere »Feinde«. Schon nach kurzer Zeit haben Don Quijote und Sancho Pansa so viel Prügel eingesteckt, dass es für vier Ritterleben reichen würde. Seine Freunde in La Mancha wollen ihn nach Hause zurückzuholen und ihn von dem durch das zu viele Lesen verursachten Irrsinn befreien. Doch was passiert mit Alonso Quijano, wenn er nicht mehr Ritter sein und um seine Ideale kämpfen darf?

»Don Quijote« war auch der Lieblingsheld von Michail Bulgakow. Weil er 1929 von der Stalinschen Zensur verboten wurde, schrieb er heimlich und verdiente sein karges Brot als Dramaturg am Theater in Moskau. Hier erstellte er auch die Bühnenfassung aus Cervantes’ Roman. Bulgakows »Windmühlenflügel« waren die politischen Verhältnisse in der Sowjetunion, denen er sich nicht beugte. Er blieb aufrecht wie sein idealistischer Held »Don Quijote«, mit dessen Namen auf den Lippen Bulgakow 1940 gestorben sein soll.


Auch diese Inszenierungen könnten Sie interessieren:

  • 25.10.2017
  • Agnes
  • Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Peter Stamm