Das Triadische Ballett

Ballett von Oskar Schlemmer

Ein Tanzfonds Erbe Projekt des Bayerischen Staatsballetts in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste Berlin.

»Das Triadische Ballett, das mit dem Heiteren kokettiert, ohne der Groteske zu verfallen, das Konventionelle streift, ohne mit dessen Niederungen zu buhlen, zuletzt Entmaterialisierung der Körper erstrebt, ohne sich okkultisch zu sanieren, soll die Anfänge zeigen, daraus sich ein deutsches Ballett entwickeln könnte, das in Stil und Eigenart so verankert wäre, um sich gegenüber vielleicht bewundernswerten, doch wesensfremden Analogien zu behaupten.« Das schrieb der künstlerische Grenzgänger Oskar Schlemmer, der sowohl Maler, Bildhauer, Autor, Tänzer und Choreograf war, 1922 um Umfeld der Uraufführung seines »Triadischen Balletts« in Stuttgart in sein Tagebuch. In der Tat gilt das »Triadische Ballett« als epochales Meisterwerk der Avantgarde. Oskar Schlemmer, einer der bedeutendsten Bauhaus-Künstler, hat wie mancher seiner Kollegen anfang des 20. Jahrhunderts versucht, das Theater aus spannenden Strömungen der Bildenden Kunst heraus zu erneuern. Sein »Triadisches Ballett« ist ein bis dahin nie dagewesener Reigen plastischer, farbiger Kostümgebilde, bewegt von Tänzern, die zu abstrakten Kunstfiguren stilisiert sind. Die starren Kostüme aus Holz und Metall beschränken die Bewegungsfreiheit des Tänzers. Das tänzerische Vokabular ist geometrisch organisiert, der Körper wird zur Marionette. Das aus dem Griechischen stammende »triadisch« bezieht sich auf mehrere Dreiklänge: auf die Einheit zwischen Kostüm-Bewegung-Musik, weiterhin auf das Zusammenspiel von Raum-Farbe-Form, Kreis-Quadrat-Dreieck sowie Rot-Gelb-Blau. Einige der Originalkostüme Oskar Schlemmers sind heute in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen.

Seinen weltweiten Ruhm verdankt das Werk der ersten Rekonstruktion 1977 durch den Choreografen Gerhard Bohner und die Kostümbildnerin Ulrike Dietrich zur Musik von Hans-Joachim Hespos. Zwölf Jahre lang tourte dieses Ballett um die Welt. Danach wurden die Kostüme in Kisten verpackt und erst 2014 wieder hervorgeholt. Denn zwei der tänzerischen Protagonisten von damals, Ivan Liska, heute Direktor des Bayerischen Staatsballetts, und seine Frau Colleen Scott, studierten das »Triadische Ballett« mit dem Jungen Ensemble des Bayerischen Staatsballetts in den Kostümen von 1977 wieder neu ein. Ihre Körper erinnerten sich noch an jede Bewegung, die sie einst selbst getanzt hatten, und gaben diese an die jungen Tänzer weiter. Möglich wurde dies dank des von der Bundeskulturstiftung aufgelegten Tanzfonds Erbe, der diesen Klassiker der Avantgarde wieder einem Publikum zugänglich macht.

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