OFFENER PROZESS

Ausstellung des ASA-FF e. V.

Ausstellungszeitraum: 22. Oktober bis 7. November 2021, Foyer Großes Haus, Eintritt frei
Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 10–19 Uhr, Sa 10-14 Uhr sowie Sa & So 1h vor der Vorstellung

Führungen: Auf Anfrage bieten wir für Gruppen von 4 bis 6 Personen 20-minütige Führungen an. Anfragen an Sophie Püschel unter: pueschel@theater-hn.de

»Opfer und Überlebende sind die Hauptzeugen des Geschehenen, wir sind keine Statisten.«
(İbrahim Arslan, Überlebender des Brandanschlags in Mölln 1992)

Die Ausstellung »Offener Prozess« widmet sich dem NSU-Komplex. Sie beginnt explizit nicht mit den Taten des NSU, sondern mit dem Leben, das existierte und in das diese Taten getreten sind. Ausgehend von den Geschichten der Gast- und Vertragsarbeiter will die Ausstellung auf die Kontinuität der rassistischen und rechts-motivierten Gewalt in Ost- und Westdeutschland schauen. Dabei werden konkrete Ausformungen wie rechtsterroristische Gewalt, Alltagsrassismus und institutioneller Rassismus in ihren Wechselwirkungen beleuchtet.

Mit dem Ansatz eines »lebendigen Erinnerns« rückt die Ausstellung marginalisierte Perspektiven in den Mittelpunkt. Videoarbeiten von Harun Farocki, belit sağ, Želimir Žilnik, Forensic Architecture und anderen widmen sich den Lebensrealitäten von Gastarbeitern, ihrem Alltag in Deutschland, der rechtsterroristischen Gewalt und dem Alltagsrassismus. Aktivistische Initiativen wie die Trauerdemonstration »Kein 10. Opfer« erinnern an diejenigen, die Opfer dieser Gewalt geworden sind. Zugleich sind sie die lauten Stimmen derer, die sich dagegen zur Wehr setzen. Zuhören wird hier als politische Praxis verstanden, Erinnern als Prozess.

Die mobile Ausstellung wird während des Projektzeitraums von »Kein Schlussstrich!« parallel an zwölf weiteren Theaterstandorten gezeigt und ist Bestandteil einer Gesamtausstellung, die 2021 in Jena, Berlin, Chemnitz und Brüssel zu sehen ist. Ab 2022 wandert sie vermehrt in Schulen, aber auch in europäische Städte wie Novi Sad in Serbien. Bis sie ab 2025 als Dauerausstellung in Chemnitz im Rahmen der Kulturhauptstadt Station macht.

Die Ausstellung in Heilbronn umfasst sieben Videoarbeiten und einen Audiobeitrag. Vier Arbeiten sind über QR-Code abrufbar. Darüber hinaus kann auf die Webausstellung mit allen 20 Beiträgen zugegriffen werden, die in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und in Einfacher Sprache zur Verfügung stehen. Ein Chatbot bietet über die Plattformen WhatsApp und Telegram weiterführende Informationen zu allen Beiträgen der Ausstellung.

Kuratorisches Konzept: Ayşe Güleç und Fritz Laszlo Weber
Projektleitung: Hannah Zimmermann und Jörg Buschmann
Ausstellungsproduktion: Irène Mélix

Kuratoren-Team

Ayşe Güleç ist Pädagogin und forschende Aktivistin an den Schnittstellen zwischen Kunst, Kunstvermittlung, Antirassismus und Migration. Von 2016 bis 2017 arbeitete sie für das Department des künstlerischen Leiters der documenta 14, anschließend leitete sie von 2018 bis 2019 die Kunstvermittlung im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt a. M., derzeit ist sie für die documenta 15 tätig.

Fritz Laszlo Weber ist als freier Künstler tätig. Er studierte an der Kunsthochschule Kassel und schloss 2018 sein Meisterschülerstudium an der Hochschule für Künste Bremen ab. 2017 war er am Tribunal »NSU-Komplex auflösen« am Schauspiel Köln sowie der »Society of Friends of Halit« auf der documenta 14 in Kassel beteiligt. Er ist Mitglied im kuratorischen Beirat der Biennale für Freiburg.