Der Räuber Hotzenplotz

Märchen von Otfried Preußler

Zur Winterzeit steht ein Kinderbuchklassiker auf dem Programm des Theaters Heilbronn, der schon seit Generationen kleine und große Zu­schauer begeistert. Unschlagbare Helden der kindlichen Fan­tasie: Räuber, Zauberer und eine Fee werden auf der Bühne lebendig, wenn der schlaue Kasperl und sein Freund ­Seppel den Räuber Hotzenplotz dingfest ­machen wollen.

Räuber Hotzenplotz hat nämlich Großmutters Ge­burts­tagsgeschenk gestohlen: eine Kaffeemühle, die nicht nur braune Bohnen mahlt, sondern auch noch Omas Lieblingslied spielt. Hotzenplotz schleppt das gute Stück in seine Höhle, die tief verborgen im finsteren Wald liegt. Kasperl und Seppel haben einen schlauen Plan, wie sie das Versteck des Räubers finden können. Aber Hotzenplotz mit ­seinen sieben Messern und der Pfefferpistole ist nicht nur ein gefährlicher, sondern auch ein listiger Räuber und einfach nicht zu fassen. Wachtmeister Dimpfel­moser, der schon lange hinter ihm her ist, kann ein Lied davon singen. Hotzenplotz lockt Kasperl und Seppel in eine Falle, nimmt sie gefangen und verkauft einen der beiden an den Zauberer Petrosilius Zwackelmann. Denn der sucht schon lange einen Dienstjungen, der ihm die Kartoffeln schält. Das ist das einzige auf der Welt, was Zwackelmann nicht zaubern kann. Die Lage ist sehr verzwickt. Doch wieder mal erweist sich, dass die Kraft der Freundschaft stärker ist, als Räuberlist und böser Zauber.

»Ich bin ein vergleichsweise simpler Geschichtenerzähler, der seine Geschichten aus guten Gründen mit besonderer Vorliebe Kindern erzählt. Auch erwachsenen Kindern übrigens«, sagte Otfried Preußler und bezeichnete Kinder als das beste und klügste Publikum. Schon früh begeisterte er sich für lustige Kasperle­geschichten und spielte sie mit seinem Bruder auf dem Dachboden nach. Als er Anfang der 1960er-Jahre mit ­seinem fantastischen Jugendroman »Krabat« nicht weiter­kam, beschloss er – zur eigenen Erheiterung – eine Erzählung mit den klassischen Helden des Kasperle­theaters zu schreiben. »Der Räuber Hotzen­plotz« entstand in nur rund drei Monaten. Seit fast 60 Jahren ist die Theaterfassung nun eines der am häufigsten gespielten Stücke im gesamten deutschsprachigen Raum. Gründe für den anhaltenden Erfolg sind der anarchische Witz und die tollen Wortspielereien der Geschichte, die so ganz ohne Moralkeule und plumpe pädagogische Botschaften auskommt. Kinder identifizieren sich gern mit Kasperl und Seppel, die trotz aller Gefahren schlauer sind als die Erwachsenen und einen ausgewachsenen Bösewicht überlisten.

Ranjo Doering | Heilbronner Stimme | 08.11.2021

Lion Leuker und Lucas Janson harmonieren als Kasperl (typisch mit spitzer Nase und Zipfelmütze) und Seppel (mit Filzhut und Lederhose), bringen die positiv-kindliche Lebenseinstellung des Duos auf den Punkt und amüsieren mit allerlei Wortspielereien … Oliver Jaksch gibt den polternden, aber liebenswerten Hotzenplotz, der mit Schlapphut, Bart und bewaffnet mit sieben Messern sowie einer Pfefferpistole eine teddybärenhafte Tollpatschigkeit ausstrahlt. Heimlicher Star der Inszenierung ist jedoch Alexander Redwitz, der nicht nur den trotteligen Wachtmeister Dimpfelmoser spielt, sondern vor allem als ganz in Gold gekleideter, durchgeknallter und von Kartoffeln besessener Zauberer Zwackelmann überzeugt. Nach mehr als 60 Minuten gibt es viel Applaus vom Premierenpublikum.