Hexenjagd

Schauspiel von Arthur Miller

Salem in Massachusetts im Jahre 1692. Eines Nachts beobachtet Pastor Parris eine Gruppe von Mädchen und jungen Frauen, die nackt im Wald tanzt, darunter seine Tochter Betty, seine Nichte Abigail und seine Sklavin Tituba. Als die Mädchen die Entdeckung bemerken, brechen einige von ihnen aus Angst vor der drohenden Strafe ohnmächtig zusammen. Denn das Leben in der Gemeinde ist von einem strengen Glauben geprägt, der jegliches Vergnügen verbietet – das Feiern von Festen, Tanz, Theater, sogar das Lesen.
Als Parris’ Tochter Betty nicht mehr aus ihrer Ohnmacht erwacht, machen Gerüchte von Hexerei die Runde. Reverend Hale, ein erfahrener Exorzist, soll der Sache auf den Grund gehen und stellt die Mädchen zur Rede. Abigail bezichtigt die Sklavin Tituba, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und die Schuldige zu sein. Tituba wird so lange unter Druck gesetzt, bis sie zusammenbricht und die Namen von Menschen nennt, die sie angeblich in Begleitung des Gehörnten gesehen hat. Abigail setzt die Liste der Namen fort und die anderen Mädchen stimmen hysterisch mit ein. Von nun an greifen Denunziationen und Misstrauen um sich. Die Bezichtigung, ein Werkzeug des Teufels zu sein, eignet sich bestens, um Gegner aus dem Weg zu räumen. Menschen verleumden unschuldige Mitbürger aus Abneigung oder aus wirtschaftlichen Gründen. Das Gericht reagiert in diesem Klima der Angst völlig überfordert. Wer nicht gesteht, wird gehenkt. Abigail Williams spielt ein besonders perfides Spiel. Sie hatte eine kurze Affäre mit dem angesehenen Bauern John Proctor und hofft, wenn sie dessen Frau Elizabeth der Hexerei bezichtigt, deren Platz einnehmen zu können. John Proctor, der die Liebschaft längst bereut, versucht die Hintergründe für Abigails Treiben zu entlarven. Doch der Wahnsinn ist nicht mehr zu stoppen.

Arthur Millers Stück entstand 1953 auf dem Höhepunkt der Kommunistenverfolgung während der McCarthy-Ära in den USA. Die Verhöre erinnerten den Autor an die Hexenprozesse 1692 im streng puri­tanischen Salem. Er recherchierte in den ­alten Gerichtsakten und hielt sich weitestgehend an die historische Wirklichkeit. Doch Millers Anspielungen auf seine unmittelbare Gegenwart waren überdeutlich.

Bis heute hat »Hexenjagd« nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil: Die Mechanismen von Massenhysterie und Fanatismus verschärfen sich in Zeiten von Fake News und irrationalen Ängsten. Sie schüren ein Klima, in dem sich Lügen ungehindert ausbreiten, die der Nährboden für Hass, haltlose Anschuldigungen und Verfolgung sind. Mittlerweile sind Parteien und Bewegungen wieder salonfähig geworden, deren Gedankengut sich daraus speist.


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