Marilyn

Ballett von Jörg Mannes

GASTSPIEL Ballett der Staatsoper Hannover

Für alle Welt ist Marilyn Monroe die hinreißende Blondine mit den aufregenden Maßen 93–58–91. Ihre Filme sind im kollektiven Gedächtnis verankert: der Thriller »Niagara« ebenso wie die Komödien »Blondinen bevorzugt«, »Wie angelt man sich einen Millionär?« oder »Das verflixte 7. Jahr«. Für »Manche mögen’s heiß« erhielt sie 1960 als Beste Hauptdarstellerin den Golden Globe. Mit dem Drama »Misfits – Nicht gesellschaftsfähig« sah man sie endlich als Charakterdarstellerin. Ihre Hauptrolle als Medienstar war hart erarbeitet. Hin und her geschoben zwischen leiblicher Mutter, Pflegeeltern, Waisenhaus und einer verwitweten Tante, entwickelt sich die schüchterne Norma Jeane Mortenson – so ihr eigentlicher Name – zur Teenager-Schönheit. Als Arbeiterin in einer Rüstungsfabrik wird sie für einen Pin-up-Kalender fotografiert und avanciert bald zum gefragten Fotomodell. Sie lässt ihr brünettes Kraushaar glätten und blondieren. Nach ersten kleinen Filmrollen nimmt sie Sprech-, Gesangs- und Tanzunterricht. Film-Bosse basteln gemeinsam mit der 22-Jährigen am Image der Marilyn Monroe, wie sie sich inzwischen nennt. Dazu gehören auch kleinere chirurgische Eingriffe. Nacktfotos sorgen für einen Skandal, und Marilyns Schlagfertigkeit bringt zusätzliche ­Publicity. Doch darauf ruht sie sich nicht aus, sondern sie studiert »Method Acting« in Lee und Paula Strasbergs berühmten Actors Studio.
Hinter der Fassade des umjubelten Stars verbirgt sich eine Frau, von der die Welt wenig weiß. Insider schildern sie als belesen, kunstinteressiert, sozial und politisch engagiert. Aber das öffentliche Interesse gilt den drei Ehen und den Liebesbeziehungen. Vor allem ihr Verhältnis zum US-Präsidenten John F. Kennedy und zu dessen Bruder Robert ist bis heute Gegenstand von Spekulationen – nicht zuletzt durch Marilyns legendären Auftritt mit »Happy Birthday, Mr. President« zu Kennedys Geburtstagsfeier 1962. Drei Monate später findet man sie tot in ihrem Bett. Suizid oder Mord? Eine bis heute offene Frage.
Jörg Mannes setzt sich als Choreograf immer wieder mit historischen oder gesellschaftlich bedeutsamen Persönlichkeiten auseinander, wie in »Inferno«, mit dem seine Compagnie bereits in Heilbronn gastierte. Auch diesmal erzählt er keine Lebensgeschichte, sondern er setzt das Phänomen Marilyn in Beziehung zu unserer Zeit, in der ein erbitterter Kampf um das Wahrgenommen-Werden geführt wird. Heute gilt es, in einem Universum voller Selfies, den selbst geschaffenen Bildern gerecht zu werden. Der Monroe war das Mitte der 1950er Jahre perfekt gelungen. Doch ihr Image wurde ihr zum Verhängnis, weil es ihr Leben bestimmte und ihr eigentliches Selbst zum Verschwinden brachte.

Nächste Termine / Karten

    DO.18.10.2018   19:30 Uhr
    FR.19.10.2018   19:30 Uhr
    SA.20.10.2018   19:30 Uhr
    SO.21.10.2018   19:30 Uhr

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