Der Steppenwolf

Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Hesse

»Es war einmal einer names Harry, genannt der Steppenwolf. Er ging auf zwei Beinen, trug Kleider und war ein Mensch, aber eigentlich war er doch eben ein Steppenwolf. Er hat viel von dem gelernt, was Menschen mit gutem Verstand lernen können, und war ein ziemlich kluger Mann. Was er aber nicht gelernt hatte, war dies: mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein.« So beginnt der »Tractat vom Steppenwolf«, den Harry Haller eines Abends zugesteckt bekommt und dessen ano­nymer Verfasser ihn bestens zu kennen scheint. »Nur für Verrückte« lautet die Unterzeile. Wenn verrückt im Ungleichgewicht bedeutet, dann ist Harry Haller, ein familienloser, heimatloser, hochsensibler Intellektueller von annähernd 50 Jahren, verrückt.
Er spürt die Krankheit der Zeit am eigenen Leib. Der Krieg ist gerade vorbei, und schon taumelt eine besinnungslose Gesellschaft dem nächsten entgegen. Harry fühlt sich wie ein Fremdkörper, weil er nicht vergessen kann. Er leidet auch an seiner inneren Zerrissenheit. Die eine Hälfte, die er als wölfische an sich selbst fürchtet, will fressen, saufen und sich ganz den animalischen Gelüsten hingeben, die andere Hälfte, die er als menschlich anerkennt, will denken, lesen, schreiben und Mozart hören. »Bei dem armen Kerl sind Mensch und Wolf Todfeinde«, macht sich der Tractat lustig. Die eine Seite in ihm hasst die jeweils andere und vergällt ihm so alle Freude. Der Selbstmord scheint ihm die einzige Rettung aus dieser unerträglichen Zerrissenheit zu sein. Da begegnet ihm Hermine, eine faszinierende und schöne junge Frau, die ihn einfach an die Hand nimmt und sagt: »Du wirst sehen, dass das Leben kinderleicht ist.« Sie findet, dass Harry viel zu wenig verrückt ist, befiehlt ihm, tanzen zu lernen und die Frauen zu lieben. Ganz langsam führt sie ihn zu ­einer mutigen und aufrichtigen Begegnung mit sich selbst und den vielen abgründigen Facetten seiner Persönlichkeit. Ein Höllentrip – im Magischen Theater – nur für Verrückte – der Eintritt kostet den Verstand.

Hermann Hesse gilt als »Autor der Krise«, als ein Dichter, der sich schreibend der quälenden Selbstanalyse unterzog, immer auf der Suche nach der eigenen, der wirklichen Identität. Den »Steppenwolf« vollendete er 1927 in Zürich. Wie ein hochempfindlicher Seismograph spürte er bereits die Erschütterungen, die das Herannahen der nächsten gesell­schaft­lichen Katas­-
trophe ankündigten. In dieser Stimmung, die auch von seinen eigenen Depressionen geprägt war, schuf er mit der Geschichte des Harry Haller nicht nur ein schonungsloses Zeit-, sondern auch ein Selbstporträt.

Pressestimmen:

Claudia Ihlefeld, Heilbronner Stimme, 21.01.2019

»Im Großen Haus des Heilbronner Theaters hat sich Malte Kreutzfeldt Hesses Kritik an der Gesellschaft angenommen. „Der Steppenwolf“ ist Hesses Alter Ego, eine Persönlichkeitsanalyse des Dichters, der, die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs vor Augen, eine Vision von dem, was kommen wird, verdichtet: düster und traumhaft.
...  Stefan Eichberg ist Harry Haller, der nicht von ungefähr Hesses Initialen trägt, wie überhaupt Roman und Bühnenadaption voller biografischer Querverweise sind. Ein faustischer Sinnsucher, den Eichberg unaufgeregt eindringlich gibt. ... Unterlegt von sphärischen Klängen, Jazz, Mozart und Händel, gelingt Kreutzfeldt ein Vexierspiel aus Traum und Wirklichkeit mit den ästhetischen Mitteln eines Schwarz-
Weiß-Films der 20er Jahre.«

Armin Bauer, Ludwigsburger Kreiszeitung, 21.01.2019

»Unter der Regie von Malte Kreutzfeldt ist ein bemerkenswerter Theaterabend gelungen, der sowohl dem Stoff gerecht wird, als auch dem Publikum teilweise ganz andere Theaterästhetik zeigt, als es in Heilbronn gewohnt ist. ...  überzeugend bringt er mit seinen unspektakulär-mitreißenden Bildern den Text auf den Punkt. Der ist nach wie vor umfangreich, und so ist es ein Fest für einen engagierten Schauspieler wie Stefan Eichberg, sich dieser Herausforderung eines großen Textumfangs wie auch dessen sinnvoller Interpretation zu stellen. Und Eichberg beweist seine Klasse.«

Brigitte Fritz-Kador, Rhein-Neckar-Zeitung, 25.01.2019

»Dass Regie, Bühnenbild und Musik aus einer Hand kamen, von Malte Kreutzfeld, sollte sich als ein besonderer Glücksfall erweisen. Man erlebt ein »Hörbuch mit Bildern«, mit gefährlich schönen, poetischen und realistischen Bildern, unter Nutzung des gesamten Bühnenraums, eines Spiels aus der Tiefe des Raums kommend und dazu dann der Teppich aus Musik: Sphärenklänge oder von markerschütternder Dramatik, wenn der Komtur aus Mozarts Don Giovanni droht. ... Er ist ein sehr
guter Schauspieler, von Gestus und Habitus schon die Idealbesetzung, in seiner Rollengestaltung und im Einsatz der Mittel für alle Facetten der Darstellung dieses zerrissenen Menschen souverän agierend. Das Publikum hat das so verstanden und applaudiert ihm, aber auch allen Beteiligten, ausgiebig.«

Ausstattung

Dramaturgie

Schauspieler

Choreografie

Barbara Buck

Dauer

1 Stunde 50 Minuten


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