Bastian Thurner
Bastian Thurner wurde 1977 in Heilbronn geboren und blieb bis zu seinem Abitur an der Freien Waldorfschule in der Neckarstadt. Nach seiner Schauspielausbildung in München führte ihn sein erstes Engagement 2001 ans Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz. Dort gründete er den Spielclub des Theaters und brachte mit 25 Jugendlichen eine eigene Fassung von Edward Bonds „Gerettet“ auf die Bühne. Nach drei Jahren in Sachsen zog es ihn als Schauspieler nach Dortmund ans Kinder- und Jugendtheater. Auch dort entwickelte er weiterhin Theaterprojekte mit Jugendlichen, unter anderem in Kooperation mit der Projektfabrik Witten. Besonders das Projekt „Babel“ aus dem Jahr 2008, an dem Jugendliche aus drei Kontinenten beteiligt waren, inspirierte ihn dazu, sich intensiv mit Mehrsprachigkeit im Leben und auf der Bühne auseinanderzusetzen.
In den folgenden Jahren arbeitete er als Schauspieler an verschiedenen deutschen Stadttheatern, unter anderem in Essen, Bremerhaven, Krefeld-Mönchengladbach, Aalen und Dortmund. In São Paulo war er als Schauspieler und Regisseur in verschiedenen Theaterkollektiven tätig und realisierte Theaterprojekte im öffentlichen Raum – unter anderem in der S-Bahn der Millionenmetropole – sowie in verschiedenen Theatern und bei Festivals in ganz Brasilien. Gleichzeitig entwickelte er gemeinsam mit jugendlichen und erwachsenen Laiendarstellerinnen und -darstellern an verschiedenen Schulen in São Paulo u.a. zweisprachige Fassungen von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ und Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“. Darüber hinaus initiierte und leitete er einen zweifachen Austausch zwischen den beiden Jugendtheatergruppen des Theaters Aalen und der Associação Cultural Nyelete aus Vilankulo, Mosambik.
Im Rahmen dieses Austauschprojekts entstand eine Zusammenarbeit mit der Grupo M’Bêu aus Maputo, Mosambik. Diese wurde 2024 in der gemeinsamen Produktion „Sujo(s)“ mit Künstlerinnen und Künstlern aus Brasilien, Mosambik und Deutschland an verschiedenen Theatern in São Paulo fortgeführt. Das Theaterprojekt beleuchtet die sozialen und politischen Verflechtungen der drei Kontinente Afrika, Südamerika und Europa – vom Kolonialismus bis in die Gegenwart. Insbesondere sein Studium der Kulturwissenschaften an der Fernuniversität in Hagen unterstützte ihn in diesen Projekten bei seinem Anliegen, einen interkulturellen Dialog auf Augenhöhe zu führen.
Seine Theaterarbeit mit und für Kinder und Jugendliche setzte er von 2024 bis 2026 bei den Schlossfestspielen Ettlingen fort. Dort begann zugleich die Zusammenarbeit mit Solvejg Bauer. Es entstanden Inszenierungen wie „Aladin“, „Pippi Langstrumpf“ und „Peter Pan“, bei denen junge Menschen aus der Region gemeinsam mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Festspielbühne standen. Ein besonderes Highlight war die gemeinsam mit Jugendlichen entwickelte Stückentwicklung „Sind wir, was wir sind“: ein szenischer Rundgang durch eine fiktive Gedenkstätte, bei dem gemeinsam mit dem Publikum über die zunehmende politische Macht von Oligarchen und den Umgang mit den Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz reflektiert wird. Diese Produktion bringt Bastian Thurner nun auch zur Eröffnung seiner ersten Spielzeit als neuer Leiter des Jungen Theaters mit nach Heilbronn.
