Generalverdacht? Die Betroffenenperspektive auf den NSU-Komplex

Seit der Selbstenttarnung des NSU-Trios ist viel über die Täter und das staatliche Versagen im Umgang mit Rechtsterrorismus und bei der Aufarbeitung des NSU-Komplexes gesprochen worden. Immer zu kurz kommt in der öffentlichen Auseinandersetzung allerdings die Perspektive der Opfer und der Hinterbliebenen. Nicht nur, dass sie geliebte Angehörige verloren haben, die plötzlich schmerzhaft aus dem Leben gerissen wurden – auch das Versagen der staatlichen Ermittlungsorgane vor der Aufdeckung des NSU, hat tiefe Wunden gerissen und das Vertrauen dieser Menschen in den Staat massiv erschüttert. In allen Mordfällen, die heute dem NSU angelastet werden, außer dem an Michèle Kiesewetter in Heilbronn, wurde zunächst gegen die Opfer selbst und deren Angehörige ermittelt. Aber auch in Heilbronn werfen die Ermittlungspannen bei den Untersuchungen unmittelbar nach der Tat Fragen auf. Unterliegen Migranten bei Ermittlungsbehörden tatsächlich einem Generalverdacht?