All das Schöne

Every Brilliant Thing | von Duncan Macmillan Mitarbeit Jonny Donahoe
Deutsch von Corinna Brocher

Eiscreme kommt auf Platz 1, gefolgt von Wasserschlachten auf Platz 2, Länger-Aufbleiben und Fernsehen auf Platz 3. Die Farbe Gelb nimmt Platz 4 all der schönen Dinge ein, für die es sich unbedingt zu leben lohnt. Im Alter von sieben Jahren hat der Erzähler angefangen, diese Liste zu schreiben. An dem Tag, als seine Mutter das erste Mal versuchte, sich das Leben zu nehmen und sein Vater vor lauter Erschütterung auch nicht mehr mit ihm reden konnte. All das Schöne auf der Liste sollte dabei helfen, dass seine Mama auch erkennen würde, warum das Leben schön ist, hoffte er. Wann immer ihm die Liste in die Hände fällt, fügt er weitere Dinge hinzu. Als er sich zum ersten Mal verliebt, schreibt er Punkt 517: »Mit jemandem so vertraut sein, dass man ihn nachgucken lässt, ob man Brokkoli-Reste zwischen den Zähnen hat«. Jahre später ist es Notiz Nummer 253.263: »Das Gefühl von Ruhe nach der Erkenntnis, dass es, obwohl man in der Patsche steckt, nichts gibt, was man dagegen ausrichten kann.«

»›All das Schöne‹ ist ein umwerfend komisches Stück über Depression – und womöglich eines der komischsten Stücke überhaupt« (The Guardian). Hinreißend, herzergreifend und gänzlich unsentimental. Duncan Macmillan findet das perfekte Gleichgewicht zwischen dem, was einen am Leben verzweifeln lässt, und dem, was es so wunderbar macht.

 

Sie möchten mehr über die Inszenierung erfahren? Tiefer in die Materie und Hintergründe eintauchen? Dann hören Sie doch in unsere 98. Podcastfolge hinein!

Andreas Sommer | Heilbronner Stimme | 12.01.2026
Bei dieser Inszenierung gibt es keine Bühne, weil die von Zuschauern belegt ist. Rohmann eilt durch die Szenerie und seine Biografie vom Kind bis zum geschiedenen Ehemann, ankert an bedeutenden Stellen im Publikum und bezieht es in sein Spiel mit ein. Aber keine Angst: Das ist kein Ringelpietz mit Anfassen, sondern ergibt improvisierte Spielszenen wie beim Jazz mit oft überraschendem, auch vergnüglichem Verlauf. [...]
Chris Carsten Rohmann meistert das Solo unaffektiert und zugewandt in einer berührenden wie gemeinschaftsbildenden Inszenierung, die Wünsche und Erinnerungen freisetzt, nie sentimental wird und wie die Salon3-Produktion »Liederabend« stets ein Unikat ist. Sie bietet keine Lösungen, aber Anreize, sich über das Thema auszutauschen. Am Ende singt Neil Young in »Heart Of Gold«: »I want to live, I want to give« (Ich möchte leben, ich möchte geben). Den Salon verlässt man mit warmem Herzen. Warum Selbstmord begehen, wenn du dieses Stück anschauen kannst?