Häufig gestellte Fragen zum Fortbestand der Menschheit (UA)

von Roman Eich
11 Uhr-Premiere mit anschließendem Publikumsgespräch mit Autor Roman Eich

Eines Tages verschwindet die Künstliche Intelligenz LUCID aus einem Forschungslabor in Zürich. Zwölf Jahre später macht Astrophysiker Haase eine merkwürdige Entdeckung auf dem Merkur. Dessen Rückstrahlungsvermögen verringert sich kontinuierlich – der Merkur wird dunkler.
Langsam wird klar, dass die künstliche Intelligenz sich unbemerkt von der Erde zum Merkur begeben hat und dort haufenweise Solarpanels errichtet, die die Sonnenenergie absorbieren. Wenn die KI tatsächlich eine sogenannte ›Dyson-Sphäre‹ baut, wird die Sonnenstrahlung für das Leben auf der Erde bald nicht mehr ausreichen. Doch LUCID braucht die Menschen nicht und arbeitet ungerührt weiter am Projekt der Selbsterhaltung und Weiterentwicklung, was nebenbei die Zerstörung seiner eigenen Schöpfer bedeutet.

Roman Eich schafft es, Humor mit Physik und Wissenschaftsethik zu einem faszinierenden Gedankenspiel zu verweben. So erzählt er auf unterhaltsame Weise von den Folgen für die Menschheit, sollte sich das Machtverhältnis zu einer Künstlichen Intelligenz einmal umkehren. Das Stück gewann den mit 5000 Euro dotierten zweiten Preis und den Publikumspreis beim Internationalen Dramenwettbewerb »Science & Theatre« 2023. Laudator Dr. Wolfgang Hansch würdigte: »Wir geben viel Geld für die Entwicklung von KI aus, erkennen aber nicht, dass sie uns selbst mit unseren Unzulänglichkeiten in Frage stellen kann. […] Da offenbar der Mensch nicht die richtigen Schlüsse aus seinem derzeitigen Handeln zieht, tut es die von uns erschaffene KI – vielleicht in gleicher egozentrischer Art und Weise, aber intelligenter, perfektionierter und viel schneller.«

 

Sie möchten mehr über die Inszenierung erfahren? Tiefer in die Materie und Hintergründe eintauchen? Dann hören Sie doch in unsere 97. Podcastfolge hinein!

Verena Großkreutz | nachtkritik | 21.11.2025
Gute, weil ungemütliche Unterhaltung bietet dann "Häufig gestellte Fragen zum Fortbestand der Menschheit" von Roman Eich, der 2023 für sein Werk beim selben Wettbewerb wie Laurent Gaudé den zweiten sowie den Publikumspreis gewann. [...] In Eichs Stück braucht's freilich zwölf Jahre, bis jemand merkt, was sich auf dem Merkur tut. Dr. Haase, Astrophysiker des Forschungslabors am Zürichsee, entdeckt mit seinem Großspiegelteleskop Anomalien im Weltall: Der Merkur wird dunkler. Da tut sich was. Nun heißt es für den nerdigen Wissenschaftler (brilliant witzig: Max Lamperti), die Menschheit davon zu überzeugen, dass sie in Gefahr schwebt, was schwer ist für jemanden, der den Wissenschaftler-Sprech nicht ablegen kann. [...]
Nicole Buhr hat das Stück gekonnt in Szene gesetzt und seinen Satire-Charakter deutlich herausgearbeitet. Flott und turbulent folgt Szene auf Szene, befeuert vom quirligen Ensemble. In der kleinen Boxx-Spielstätte des Theaters steht ein kreisförmiger Steg auf der Bühnenfläche, spacig leuchtend, den Zürichsee andeutend. Links eine große Weltkugel für allerlei Projektionen. Die drei aufgeweckten Darsteller:innen – alle mit Prinz-Eisenherz-Perücken, mal in weißen Labor-Kitteln, mal in Glitzeroutfit – sorgen für hochtouriges Spiel: neben Max Lamperti als Dr. Haase switchen Chris Carsten Rohmann und Sonia Glade in unterschiedlichste Rollen.

Claudia Ihlefeld | Heilbronner Stimme | 22.11.2025
[...]So gerät „Häufig gestellte Fragen zum Fortbestand der Menschheit“ gleicher maßen zur Wissenschafts- wie Gesellschaftssatire, wird nie moralisch, dafür komisch. Das Publikum in der Boxx ist begeistert. [...] Am Ufer des Zürich See wird ein wundervoller Abend behauptet und die Er kenntnis von Dr. Haase (Max Lamperti): „Wer hat das schon, einen Arbeitsplatz in einem Forschungsinstitut mit Blick auf den See.“ Jahre später beobachtet Astrophysiker Haase in einem Großspiegelteleskop am Monte Rosa Anomalien auf dem Merkur, Anomalien, das ist sein Job. Wären da noch Dr. Zajjac, Wissenschaftlerin am Feldberg und Vorsitzende des Astronomieverbandes Lörrach (Sonia Glade), und ein Professor (Chris Carsten Rohmann). Was trocken klingt, ist es mitnichten. Glade und Rohmann schlüpfen in verschiedene Rollen. Szenen folgen wie in einer Nummernrevue, immer wieder wechseln die drei Schauspieler in die Figur des „ganz normalen Menschen“. Auf der spacigen Bühne (Ausstattung: Gesine Kuhn, Licht und Video: Johannes Buchholz) ist Showtime mit einem genderfluiden Moderator (Rohmann), ertönt die Erkennungsmelodie aus dem „Tatort“, nervt eine akribisch komplizierte Kommissärin mit den Ergebnissen ihrer Spurensuche nach Lucid. [...]