Wo die Götter kauern wie Hunde (UA)

von Leon Engler
experimenta, Science Dome

»Wo die Götter kauern wie Hunde« ist eine absurde, tragikomische Parabel über Fortschrittswahn, Hybris und Unsterblichkeitssehnsucht. Im Mittelpunkt steht die Astrophysikerin und Molekularbiologin Dr. Dr. Sophia Maillart, die am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Genf das Weltall und genetische Telomere erforscht, um das Universum zu retten und den Tod zu überwinden.
Ein banaler Schlüsseldienstbesuch führt sie zur exzentrischen Petra, einer ehemaligen Technikethikerin, die in Sophias Schlüssel den Zugang zu einem mythischen Garten mit dem »Kraut der Unsterblichkeit« vermutet. Gemeinsam mit der Witwe Helga, deren Tochter Arachne und der Detektivin Kassandra spinnt sie ein groteskes Komplott, um an dieses Kraut heranzukommen. 

Leon Engler verbindet antike Motive mit moderner Wissenschaftskritik, Alltagsbanalitäten und Witz. Sein Stück ist ein philosophisches Lustspiel über Größenwahn, technische Überforderung und die Sehnsucht nach Sinn in einer entzauberten Welt. Die Dialoge sind pointiert, die Figuren grotesk, der Ton schwankt zwischen Farce und Tragödie. Ein rasantes, intellektuell funkelndes Schauspiel über Menschen, die den Himmel erobern wollen – und dabei auf der Erde stolpern.

Das Stück gewann den ersten Preis beim Internationalen Dramenwettbewerb »Science & Theatre« 2025.

 

Tickets können Sie bei uns erwerben oder direkt bei der experimenta (nur Barzahlung).

 

Sie möchten mehr über die Inszenierung erfahren? Tiefer in die Materie und Hintergründe eintauchen? Dann hören Sie doch in unsere 104. PODCASTFOLGE hinein!

Volker Oesterreich | Die Deutsche Bühne | 27.06.2026
[...]Andererseits kann vielleicht mit Erfindungsreichtum gezaubert werden. So wie in Leon Englers Stück. Darin lechzen die Schlüsselmacherin Petra und die Doppel-Doktorin Sophia nach der Unsterblichkeit. Die eine hofft auf die Wirksamkeit eines mystischen Krauts, die andere auf den Erkenntnisgewinn durch die Wissenschaften. Zu ihnen gesellen sich die Privatdetektivin Kassandra (Regina Speiseder), die in Cowboystiefel verliebte Helga, die später zur massenmörderischen Wurstwarenfabrikantin Waltraud alias Waltie Wagner mutiert (Sarah Finkel), und deren Spinnen-Tochter Arachne (Romy Klötzel). Das groteske Quintett zieht auf dem äußeren Drehbühnen-Ring vorbei am Publikum (Ausstattung: Ariella Karatolou), während Kevin Grabers Kuppel-Projektionen mal einen Himmel voller Sterne, dann voller Würste zeigen – letztere als Menetekel der mörderischen Menschheitsgeschichte. [...] Leon Englers ins Kraut schießende Fantasie und seine Pointen-Gier sind immens. Er treibt seine Gagmaschine durch zwei Triebwerke gleichzeitig an: Das eine stammt aus der Fabrikationsstätte namens Humor, das andere vom Konkurrenzunternehmen Horror.
Als Zuschauer will man den zahlreichen Sprach-Schmankerln nachschmecken, doch keine Chance: Beständig rauschen einem neue Witzworte, Anspielungen oder Comic-Momente um die Ohren. Man kommt sich vor, als stünde man am Rand der Niagarafälle nach der Schneeschmelze. Viel Getöse in donnernder Pracht. [...]

Christoph Feil | Heilbronner Stimme | 29.06.2026
[...] Janis Knorr lässt das rein weibliche Ensemble - Sabine Unger, Stephanie Schönfeld, Regina Speiseder, Sarah Finkel und Romy Klötzel - von der Leine. Ganz nach dem Motto: Gib dem Affen Zucker! Da wird größenwahnsinnig ins Publikum deklamiert, spapstickhaft ein Netz gesponnen, ein anstrengendes Denglisch gesprochen, in Splatter-Manier gemordet. Zur atmosphärischen Soundkulisse von Sebastian Jurchen, der düstere Elektrobeats und verträumte Pop-Tracks beisteuert. Und zu den Videos von Kevin Graber, die an die Cut-Out-Animationen aus "Monthy Python's Flying Circus" erinnern, wenn Petra als Ikarus-Wiedergängerin durch einen Wursthimmel nach Tennessee fliegt [...]. Überhaupt gelingt es der Produktion immerhin ganz gut, die Möglichkeiten des Science Dome einzubinden. Kräftiger Beifall bei der Premiere am Freitag nach 90 Minuten.