Heilig Abend

von Daniel Kehlmann

Es ist Heiligabend. Die Philosophieprofessorin Judith ist unterwegs zu ihren Eltern, als die Polizei ihr Taxi zum Halten zwingt. Sie wird auf die Wache mitgenommen. Warum? Das erfährt sie zunächst nicht. Stattdessen stellt ihr der Polizist Thomas Fragen: »Wo waren Sie gestern Abend?« Wird das ein Verhör? Und woher weiß er so viel über sie? Dass gestern Abend ihr Ex-Mann bei ihr war, zum Beispiel. Das alles kommt Judith sehr unheimlich vor. Er kennt sogar ihre wissenschaftlichen Arbeiten und konfrontiert sie schließlich mit ihrer Habilitationsschrift über »Frantz Fanons Konzept der revolutionären Gewalt«, in der es um das Recht der Unterdrückten geht, sich mit Gewalt zur Wehr zu setzen. Thomas hat Hinweise darauf, dass Judith gemeinsam mit ihrem Ex-Mann eine Bombe an einem zentralen Ort deponiert hat, die an ebendiesem Heilig Abend um Mitternacht hochgehen soll. Gibt es diese Bombe? Und wenn ja, wo ist sie versteckt? Der Polizist hat nur 90 Minuten, um das herauszufinden.

Autor Daniel Kehlmann hat mit diesem Verhör, das wie ein Duell daherkommt, einen spannenden Thriller um Liebe und Verrat in Zeiten der Verunsicherung geschaffen. Seine Absicht war es, so schildert es Kehlmann in einem Interview, »ein echtes Dilemma zu zeigen … zwischen Freiheit auf der einen Seite und Sicherheit auf der anderen Seite.« Und letztlich stecke dahinter die viel profundere Frage der Verteilungsgerechtigkeit.