Love Letters

von A.R. Gurney
Deutsch von Inge Greiffenhagen und Daniel Karasek

»Willst du am Valentinstag meine Braut sein?«, fragt der kleine Andrew seine Mitschülerin Melissa. »Ich will. Aber nur wenn ich dich nicht küssen muss«, antwortet das Mädchen. Was so beginnt, setzt sich fort als jahrzehntelanger Briefwechsel zweier ungleicher doch eng verbundener Menschen. Den ersten in der Schule zugesteckten Zetteln mit mal verliebten, mal eifersüchtigen, dann wieder voneinander genervten Botschaften folgen später zahllose Briefe, die von unterschiedlichen und doch nicht so verschiedenen Lebenswegen erzählen, von den ersten Liebesabenteuern, von Familienglück und Ehetragödien, von der steilen Karriere und dem tiefen Fall, den großen und kleinen Katastrophen im Leben, vom Aufbegehrenwollen und es nicht können, vom Hinfallen und Wiederaufstehen. Zwischen all den Zeilen ist die Sehnsucht der beiden nacheinander immer spürbar, auch wenn beide diese gut hinter ironischen Bemerkungen zu verstecken wissen. Die Versuche, doch noch ein Paar zu werden, scheitern immer wieder am schlechten Timing.

»Love Letters« ist ein Stück voll Witz und Poesie, Wärme, Wut, Enttäuschungen, verpasster Chancen und vor allem ein Stück über eine lebenslange tiefe Freundschaft. Das Time Magazin wählte das Stück zu den fünf besten Theatertexten der 1980er Jahre, und 1990 wurde der Autor A.R. Gurney für »Love Letters« für den Pulitzer-Preis nominiert.

Leonore Welzin  | Heilbronner Stimme | 22.03.22

Vor dem Hintergrund weiblicher und männlicher Rollenklischees, aber mit gebotener Distanz zur Figur, loten die Darsteller das Spektrum an Emotionen zwischen Selbstvertrauen und Zweifel, zwischen richtigen und falschen Entscheidungen aus. Tonlage, Sprechrhythmus, Direktheit und Reaktionsgeschwindigkeit, oft auch zermürbende Pausen, in denen einer das  Warten auf eine Antwort ins Unerträgliche steigert, gehören zum darstellerischen Handwerk, das Unger und Eichberg virtuos einsetzen.