Mord auf Schloss Haversham

The Play that goes wrong | Komödie von Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields | Deutsch von Martin Riemann
mit englischen Übertiteln/with English surtitles

Es ist kurz vor der Premiere von »Mord auf Schloss Haversham«, einem Kriminalstück, das auf einem alten englischen Herrensitz spielt. Darin geht es um Schlossbesitzer Charles Haversham, der ins Jenseits befördert wurde. War es die Verlobte, der Bruder, der Freund, der Butler oder gar der Gärtner? Inspektor Carter nimmt die Ermittlungen auf. Lange haben die ambitionierten Amateurschauspieler auf diesen Premierenabend hingefiebert. Mit viel Liebe haben sie die Kulissen selbst hergestellt. Noch während die ersten Vorstellungsgäste in den Saal strömen, werden die letzten Requisiten geordnet. Denn in so einem Kriminalstück muss einfach alles stimmen. Nichts ist so wichtig wie perfektes Timing und präzises Spiel. Doch die Nerven liegen blank. Kaum öffnet sich der Vorhang, passiert den tapferen Laienspielern ein Missgeschick nach dem anderen. Sie befinden sich mitten in einem wahr gewordenen Schauspieleralptraum. Türen klemmen, Requisiten sind nicht an ihrem Platz, Textpassagen werden vergessen oder vertauscht, Teile des Bühnenbildes drohen immer wieder abzustürzen, und außerdem ist der Hund verschwunden. Als dann auch noch die weibliche Hauptdarstellerin durch einen versehentlichen Schlag an den Kopf ohnmächtig wird, ist das Durcheinander perfekt. Aber auch wenn es noch so dicke kommt, die Show muss weitergehen. Ihre Theaterleidenschaft lässt die wackeren Akteure über sich hinauswachsen. Mit dem Mut der Verzweiflung stemmen sie sich gegen das Chaos: Haltung bewahren und sich ja nur nichts anmerken lassen! Und so schlägt nicht nur die Krimihandlung in »Mord auf Schloss Haversham« verrückte Volten.

Diese Komödie bietet schrägen britischen Humor vom Feinsten: Monty Python, Buster Keaton und Charlie Chaplin lassen grüßen. Außerdem ist sie eine große Liebeserklärung an das Theater. Die drei Autoren und Schauspieler Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields lernten sich als Studenten an der London Academy of Music and Dramatic Art kennen. Schon während des Studiums gründeten sie 2008 die Truppe »Mischief Theatre« und traten mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Impro-Theater und Comedy auf. An »The Play That Goes Wrong« arbeiteten sie in ihrer gemeinsamen Wohnung. Sie übertrafen sich gegenseitig an Witz und abgefahrenen Ideen und landeten damit einen großen Hit. Seit 2012 läuft die Inszenierung ununterbrochen im Londoner West End und wurde 2014 mit dem Preis als Best Comedy ausgezeichnet. Es eroberte den Broadway und nun auch die Bühnen der restlichen Welt.

 

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Ranjo Doering | Heilbronner Stimme | 01.12.2025
[...] Aus der geschlossenen Ensembleleistung kann man niemand hervorheben. Das Timing stimmt, der Zuschauer wird fortwährend zur nächsten sich anbahnenden Katastrophe gelenkt. Die Körperlichkeit ist dabei der Schlüssel des Erfolgs dieser Komödie, müssen die Schauspieler doch durch so manche anarchische Slapstick-Einlage und einige kleinere Stunts. Lennart Olafsson spielt amüsant-pathetisch die Leiche von Charles Haversham, der sich hartnäckig weigert, tot zu bleiben. Tobias D. Weber ist der fahrige Butler Perkins, der sich Teile seines Textes auf die Hand schreiben muss. Juliane Schwabe spielt Anne, die eigentlich nur Inspizientin der Theatergruppe ist, aber nach einem Missgeschick als Charles Havershams Verlobte Florence Colleymoore einspringen muss. Ihre Chance aufs Rampenlicht will sie nutzen, was in einem wahnwitzigen Kleinkrieg mit der eigentlichen Besetzung (herrlich extravagant: Lisanne Hirzel) ausartet. Oliver Firit (als Robert, Bruder von Florence), Richard Feist (als Charles’ Bruder Max) und Sven-Marcel Voss als Inspektor Carter versuchen inmitten des absoluten Desasters, die Fassung zu bewahren. Und dann ist da noch der von Tobias Loth wunderbar verpeilt gespielte Licht- und Tontechniker Trevor, der herzhaft in ein Brot beißt oder Fußball schaut, anstatt seine eigentliche Arbeit zu machen. Viel Applaus nach zwei Stunden und zwanzig Minuten (mit Pause) für diese aberwitzige und doch liebevolle Hommage an das Amateurtheater. [...]